我儘ラキア
Killboredom TOUR 2019
2019.11.23
Tokyo / duo MUSIC EXCHANGE
Ein neuer Tag in Tokyo, der letzte Tag, und wie diese letzten Tage bisher waren ist auch dieser ein verregneter Tag.

Nach einem, wenn es ein Anime wäre, melancholischen irren durch die eher verlassene Distrikte Tokyos mit abschließenden Besuch des Tokyo Towers trennten sich die Wege von Pepper und mir. Wir waren uns schon am Morgen einig das es aufgrund der Knappheit zwischen letzten Bus und vermutlichem Ende des Konzertes passieren könnte das man in Tokyo strandet und erst nach Mitternacht zum Flughafen wechseln könnte, ohne Shuttle zum Hotel. Diese Gefahr war es Pepper nicht wert einzugehen, aber mir blieb keine andere Wahl. Ladybaby hatte angekündigt Anfang 2020 das Projekt ruhen zu lassen, und damit wäre dieses einer der letzten Auftritte, und ich musste einfach einmal 我儘ラキア live sehen… auch wenn ich dafür auf dem Flughafen schlafen müsste.
Also fuhren wir in entgegengesetzten Richtungen mit der Yamanote Ring Line unseren jeweiligen Zielen entgegen. Zum Glück hatten wir am Vorabend schon die Gegend um die Venue, das duo MUSIC EXCHANGE, ausgekundschaftet. Den ohne meinen lebendenden Navigator Pepper wäre ich sonst hoffnungslos verloren gewesen in den Gewirren von Straßen und Gassen in Shibuya, das nun bevölkert von einer Unzahl an mit Regenschirmen bewaffneten Besuchern noch unübersichtlicher war als sonst.

Angekommen nutzte ich den in Japan häufig anzutreffenden Service seine Garderobe per großen Plastiksack außerhalb der Venue abgeben zu können und wurde das erste mal in diesem Urlaub mit einer weiteren Japan typischen Einrichtung konfrontiert.
Wenn mehrere Acts in einer Show Auftreten wird man von Kartenabreißer darum gebeten mitzuteilen welcher der Acts derjenige sei für den man gekommen sei, und so landete mein Abschnitt in der Urne für 我儘ラキア und ich schritt schnurstracks zur Theke um meinen Drink-Token gegen eine Dose Zima Clear einzutauschen. Was mir als erstes auffiel war das dieses Publikum relativ Jung und recht viele mit Shirts des spirituellen ‚Schwester‘-Acts PassCode rumliefen.

Die Show beginnt mit einem Band-Set von Ladybaby… und das muss instrumental das härteste auf diesem Urlaubs-Trip gewesen sein was ich zu hören bekommen habe. Nicht das Ladybaby als ein vorzeige Beispiel für übergroße Gesangskünste gelten könnte, aber der Metalcore Sound gepaart mit Emilys Harsh Vocals bringt den Saal zum Kochen. Eine Schande das diese Inkarnation der Gruppe, seien wir mal ehrlich… der Name ist zu groß im Loudel Genre als das die Ruhezeit ewig anhalten wird, Anfang 2020 auseinander geht.

Nach einem kurzen Besuch der Raucherzone, die sich im Vorraum befindet… was angesichts des Wetters ein wirklich netter Zug vom Veranstalter ist, kommt als nächstes Another Story auf die Bühne. Eine 5 Mann Rock Band die ich als Ahnungsloser mit Melodic Power HR/Metal mit Harsh Vocals beschreiben würde.
Coolste Aktion, Sänger springt runter auf den Floor… es bildet sich ein Circle Pit um ihn von deren Ränder ihm die Crowed entgegen headbanged. Woraufhin beide Gitarristen sich ebenfalls in den Pit begeben und den Song zu Ende spielen… sehr geil.
In der nächsten Pause werden wir alle etwas davon überrascht dass die Mädels von Ladybaby locker durch den Haupteingang kommen und mit einem ‚Hi There‘ uns an der Theke stehenden beim Vorbeigehen grüßen.
Dann… 我儘ラキア
Ebenfalls im Band-Set beginnt die Show recht Idol’ig. Netter Gesang, poppige Musik… und stoppt auf einmal. Aufgrund meiner nicht vorhandenen japanisch Kenntnisse kann ich nur raten was abgeht. Es wirkt als ob die Mädels sich mit dem Producer unterhalten das die Mics nicht korrekt eingestellt wären und etwas mit der Musik nicht stimme. Also nach dem das Gelächter des Publikums verebbt nochmal von Vorne… das Licht erlischt kurz… um mit brachial Rock geht die Show in seinen zweiten Start. Schlagartig kann ich die Bühne kaum noch sehen, da das Publikum wortwörtlich in Zweierreihen übereinander steht (!!). Locker 20 Lifts oshi-Pointen wie die verrückten um den mit einen Sprung nach vorne in einen Surf überzugehen…. was dazu führt das nach nur einem halben Song die ersten ‚verletzten‘ mit Nasenbluten und Taschentüchern in der Nase in der Raucherzone verschwinden um sich kurz zu erholen.
Beim zweiten Lied geht dieses soweit das ich auf einmal Schuhe durch die Luft fliegen sehen, die beim Sprung vom Lift zum Surf verloren wurden… wild.
Während der ganzen Show ist die Crowd ein einziges Chaos aus Leibern, einige westliche Punk-Bands würde vor Scham im Boden versinken wenn sie sehen würde wie dieses ‚Idol‘-Publikum abgeht. Und im Gegensatz dazu das in Tweets vorher darum gebeten wird Lifts/Surfs und ähnliches zu unterlassen, steht Minami auf der Bühne und fordert per Gesten die Crowd geradezu dazu auf, wie auch immer, zu ihr zu kommen.
Wenn man nur die Studio Aufnahmen kennt, würde man 我儘ラキア wahrscheinlich nicht gerade zu den härtesten Loudols zählen, aber live sind sie eine echte Wucht… und sehr sehr gut.
…ich habe es dann übrigens trotz eines noch kurzen Abstechers zum Tower Records in Shibuya geschafft den letzten Bus zum Flughafen und den letzten Shuttle zum Hotel zu bekommen und konnte somit sogar in einem echten Bett die letzte Nacht in Japan verbringen.