Aku – the broken resuscitation #2
21.6.2020
Es ist das erste Konzert in voller Länge, welches übertragen wird von Mucc.
Der Aufbau ist interessant. Im Gegensatz zu einem normalen Konzert, gibt es keine Bühne, sondern nur einen Raum. In der Mitte des Raumes sind die Kameraleute positioniert. Auf einer Seite des Raumes befindet sich eine riesige Leinwand, davor auf der rechten Seite (wenn man auf seinen Bildschirm blickt) das Schlagzeug. Dann gibt es Plexiglastrennwände, welche den Bereich vor der Leinwand in vier etwa gleich große Teile aufteilt. Man darf gespannt sein.
Als die Jungs von Mucc den Raum betreten, wird klar wofür die Plexiglastrennwände da sind. Sie trennen die einzelnen Musiker von einander ab. Yukke bekommt den Bereich auf der linken Seite, daneben Tatsuro, dann Miya. So wie sie auch auf der Bühne stehen. Nur Satochis Drums wurden auf der rechten Seite aufgebaut. Warum dies so ist, klärt sich zum zweiten Song auf. Als nämlich Miya und Tatsuro ihre Plätze zwischen den Plexischeiben verlassen und sich in die übrigen Ecken des Raumes begeben. So hat nun jedes Bandmitglied seine eigene Ecke um sich auszutoben.

Zu Beginn sieht man den Raum, von einer offenbar fest angebrachten Kamera, mit Blick auf die Leinwand am Ende des Raumes. Als die einzelnen Bandmitglieder den Raum betreten, folgen diverse Kameras ihren Bewegungen. Es ist also möglich auch einmal einen Blick auf den Drummer zu werfen, ohne sich den Hals zu verrenken dabei.
Doch zu meinem Leidwesen, ist die Kameraführung insgesamt gar nicht mein Fall. Schon bei „Crack“ sind die Aufnahmen so verschwommen in ihren Bewegungen, dass ich das Gefühl habe in einer Achterbahn zu sitzen und meinen ersten Kaffee des Tages wieder loswerden zu wollen. Die Wechsel zwischen den Bandmitgliedern, sind teilweise in einer so schnellen Abfolge, dass man sich gar nicht darauf einstellen kann, was man auf seinem Bildschirm sieht. Der Rundblick durch den gesamten Raum, macht es dann auch nicht wirklich besser. Zu Beginn von „Kurage“ zeigt die Kamera Yukke, der beim Spielen seines Basses auf einer Stelle steht und mit dem Kopf im Takt nickt. Die Kamera jedoch fährt in einem Kreis und liefert so ein unruhiges und dazu noch unscharfes Bild des Bassisten. Warum ist es in so einem Moment nicht möglich, mal für eine Sekunde die Kamera ruhig zu halten und ein halbwegs scharfes Bild von Yukke zu liefern?
Dennoch entpuppt sich „Kurage“ als der erste Song an diesem Vormittag, der ein paar entspanntere Aufnahmen bringt. Endlich halten die Kameras mal still und die Wechsel zwischen den Bandmitgliedern sind nicht mehr zu schnell. Auch sieht man hier zum ersten Mal Tooru, der als Keyboarder wieder mit von der Partie ist.
Sehr schön sind die geisterhaften Einblendungen, der sich nicht im Raum befindlichen Musiker. Und auch die überlappenden Übergänge zwischen den einzelnen Bandmitgliedern.
Überraschenderweise bietet „Sandman“ eine beinahe stimmige Lieferung von Bild und Ton. Einzig die Frage, warum man Nahaufnahmen der Bandmitglieder unbedingt verwackeln muss, bleibt.
Zu „My world“ werden Fans, vermutlich über zoom, auf der großen Leinwand eingeblendet. Was zu sehr süßen Aktionen der Bandmitglieder führt, die nun entscheiden müssen, ob sie in die Kameras schauen oder auf die Leinwand. Und hier kommen wir dann zu den ersten annähernd klaren Nahaufnahmen. Es ist also doch möglich, die Kamera ruhig zu halten und das Bild scharf zu stellen.
Das die gesamte Übertragung eine deutliche Unschärfe aufweist, möchte ich gerne den 9000 km Übertragungsweg über Internet zuschreiben.

Da meine Auswertung der Livestreamings jedoch auf einem Interview von Miya basiert, welches ich kürzlich gelesen hatte, möchte ich jetzt zu dem letzten Punkt kommen. Dem Sound.
Der Sound in dieser Übertragung ist ordentlich. Eine klare Abgrenzung der Instrumente. Je nach Part im Song sind Bass, Gitarre oder auch Keyboard anständig zu hören. Wenn also die Kamera zeigt wie Miyas Finger über die Saiten seiner Gitarre huschen, dann ist auch der Sound soweit da, dass man eindeutig im Vordergrund die Gitarre hört. Auch die Becken von Satochis Drums, am Ende von „Kurage“ und „Vampire“, sind noch klar zu hören und verschwinden nicht im Nirvana der Übertragung.
Tatsuros Stimme kommt in allen Songs vernünftig rüber und geht nicht in den Instrumenten unter. Klare Gewinner sind jedoch „Taboo“ und „Sekisou“. In diesen Songs ist Tatsuros Stimme definitiv der vorherrschende Part. Obgleich die zweite Stimme in allen Songs sehr schön zu hören ist, wenn Miya einsetzt.
Selbst die Violinen passen sich in die Musik sehr gut ein. Lediglich bei „Taboo“ sind sie ein wenig zu dominant.
Während die Bildqualität also zu wünschen übrig lässt, ist der Sound einwandfrei. Es sind also nicht die 9000 km, die die Qualität beeinträchtigen.

Am Ende machen die Jungs dann noch etwas, wo ich mich wirklich frage, wie man damit ein Instrument spielen kann oder gar singen. Sie setzen Gasmasken auf und ziehen Gummihandschuhe an. Natürlich sind diese nicht dazu gedacht zu singen und müssen immer wieder zurecht gerückt werden, doch es funktioniert. Fight against Covid-19…
Ein Dank geht an alle Mitarbeiter und Mucc, die dieses Streaming ermöglicht haben. Es steckt viel Arbeit darin und ein Streaming ist etwas anderes als ein Livekonzert. Das gilt nicht nur für die Musiker, welche vor Kameras, statt vor Publikum spielen. Das gilt auch für das Publikum, welches nur einen ‚Film‘ bekommt.
Gerade Songs wie „My World“, „Jiko Ken-o“ und „Ranchuu“, sind Songs die in ein Livehouse gehören und nicht auf einen Bildschirm. So ist die Stimmung zwangsweise eine etwas andere. Dennoch kann auch ein Streaming Spaß machen.
Streaming über Zaiko.
Aku – the broken resuscitation #3
20.9.2020
Ein weiteres Konzert in voller Länge. Nachdem andere Lives bereits übertragen wurden, haben Mucc sicher Übung darin vor Kameras zu spielen. Leider ist man als Ausländer nicht in der Lage sich alle Lives anzusehen, die in Japan gemacht werden. Diesmal boten Mucc sogar die Möglichkeit, über eine ausländische Plattform, allen Nicht-Japanern zuzusehen.
Was für eine unglaublich gute Inszenierung. Der Raum, kein Konzertsaal, sondern eher eine Kongresshalle oder so, aufgeteilt in zwei Abschnitte. Eine „Bühne“ mit Schlagzeug, Keyboards und einer Leinwand. Und ein „Wohnzimmer“ mit einem Piano in der Mitte. Nicht irgendein Piano, nein, ein Kristallpiano. Dazu, hinter einer Plexiglasscheibe, die Drums für Satochi. Mikrofone und Sitzplätze für den Rest der Band.


Wir beginnen das Konzert auf der Bühnenseite, mit der für Mucc üblichen Anordnung der Bandmitglieder. Auf der Leinwand wird passend zu „Justice“ ein Video eingeblendet. Teilweise wirkt es so, als würden die Musiker in den beleuchteten Straßen einer asiatischen Großstadt stehen. Die Wirkung ist einzigartig. Schon an dieser Stelle, macht die Kameraführung Hoffnung. Die Wechsel sind in angenehmem Tempo, die Leute wackeln nicht ständig rum mit den Kameras und es gibt sogar scharfe Nahaufnahmen. Die Beleuchtung auf der Bühne ist sehr gut und wird auch von den Kameraleuten gut eingefangen. Besonders gut gefallen mir die Rundflüge von Kameradrohnen durch den großen Raum. So, dass man den Raum aus verschiedenen Perspektiven betrachten kann. „Kurage“ läuft diesmal fehlerfrei durch und macht Platz für eine krasse Inszenierung von „Iris“. Nichts für Epileptiker. (Erst später, mit besserer Soundumsetzung, kann ich die komplette Bandbreite des Songs hören und sehen. Das konnte „Iris“ in keinem Livekonzert bieten.) Zu „Timer“ wechselt die Band bereits auf die andere Seite des Raumes und lässt ihren Sänger allein zurück. Und der überzeugt auch allein auf einer beinahe leeren Bühne.
Im Anschluss wechselt auch Tatsuro seine Position. Nun sind die Musiker von Mucc, um das Piano des Gastes verteilt. Überall verteilt in dem Bereich sind Kanji, welche in unterschiedlichsten Farben leuchten und dem Raumteil eine Industrial-Atmosphäre verleihen. Diese passt ganz hervorragend zu „Friday the 13th“ und „Kanaria“. Selbst die Plexiglasabtrennungen am Piano und den Drums, passen sich ein.
Überhaupt bietet dieser Teil eine fantastische Atmosphäre für das Konzert. So kommen die weiteren Songs „Tsuki no yoru“, Tsuki no sakyuu“ und Ryuusei“ mit einer wundervollen Akustik-Atmosphäre daher, welche einen glauben macht, Mucc sitzen in einem Park und dahinter scheint der sommerliche Vollmond auf die Szenerie. Diese Songs strahlen eine einnehmende Ruhe aus und es macht sehr viel Freude den Musikern zuzusehen. Die Kameraleute liefern ein paar wirklich großartige Aufnahmen der Musiker. Mit sehr viel Liebe für Licht und Detail wie ich finde.


„Alpha“ und „Ryuusei“ bekommen nicht nur auf der Leinwand Sterne eingeblendet, sondern auch direkt auf die Kamera. Ein faszinierender Lichteffekt, welcher gut zu den Songs passt.
Leider ist der Sound dieser Liverübertragung grottenschlecht. Während die Aufmachung total überzeugt, Beleuchtung und Kameraführung einfach super schön sind, ist die Musik hohl, blechern und kraftlos. Ich muss meine Ausgabegeräte auf maximale Lautstärke stellen und bekomme gerade einmal Zimmerlautstärke.
Satochis Drums sind zu laut, Miyas Gitarrenspiel verschwindet im Datennirvana der Übertragung, Yukkes Bass ist entweder zu blass oder zu viel und das Piano sieht besser aus als es klingt. Von der Stimme unseres Sängers möchte ich beinahe nicht anfangen zu reden. Hat Tatsuro doch normalerweise eine durchdringende kräftige Stimme, geht er hier komplett in der Technik unter. Der Sound in meinem Kopf, ist besser, als jener der übertragen wird.
Darunter leidet dann auch der Auftritt Hazukis, dem Sänger von lynch. Dieser kommt zu „Memai“ auf die Bühne und bringt eine gehörige Portion Energie und Spaß mit. Was selbst bei Miya für ein Lächeln sorgt. Hazuki verschwindet nach „Memai“ wieder (vorerst), doch die lockere Stimmung bleibt zu „World’s end“ und „My world“ erhalten. „My world“ zeigt im Übrigen diesmal Fans auf der Leinwand. Ich mag diese Aktion immer sehr gerne und freue mich, dass die Fans (aus Japan) auch noch für „Ranchuu“ bleiben. Da kommt dann auch Hazuki wieder vor und gemeinsam rocken Mucc und Hazuki das Internet. Mal ehrlich, wer ist nicht versucht sich auf den Boden zu hocken, wenn Tatsuro dazu auffordert?
Genau…
3…2…1… jump

Schlusslichter sind an diesem Tag „Heide“ und „Tonight“. Kleine Patzer werden wie immer nicht von mir dokumentiert. Und eines der schönsten Bilder macht Tatsuro, als er einem der Kameramenschen die Kamera klaut und damit über die Bühne stiefelt und seine Gruppenmitglieder filmt.

Sobald man den Ton überarbeitet, bekommt man ein Streaming, wo Musik und Inszenierung zueinander passen. Dieses Konzert hat eine klare Linie, welche in Bild und Ton perfekt harmoniert. Die Auswahl der Songs ist passend zur Aufmachung des Raumes gewählt. Oder andersrum? Auf jeden Fall ist Aku – the broken resuscitation #3 ein Augenschmaus.
Streaming über livefrom.media. Extra angeboten von Mucc für overseas.
Nicht angeboten von Mucc für overseas, die Möglichkeit den Fokus der Bildübertragung auf ein einzelnes Bandmitglied zu richten. Daher dazu keine Beurteilung.